Pleionenkultur von Thomas Evert
Ein Pleione-Jahr
Die Orchideen-Gattung Pleione ist mit ca. 12 Arten in subalpinen Regionen von Indien, Burma bis nach Südchina und Taiwan verbreitet. Es handelt sich um erdbewohnende Orchideen, die einen ausgeprägten Wachstumsrhythmus aufweisen: eine feuchte warme Wachstumszeit und eine kühle, trockene Ruhezeit, in der die Pflanzen ihre Blätter abwerfen. Nur eine Art wird ohne strenge Ruhezeit, möglichst aufgebunden, kultiviert.
Wir unterscheiden Frühjahrsblüher, welche unmittelbar nach der strengen Ruhezeit blühen und Herbstblüher, bei welchen sich die Blüte an die Wachstumszeit anschließt. Die Pflanzen blühen vor oder während des Blattabwurfs.
Züchterisch wird die Gattung Pleione erst seit recht kurzer Zeit bearbeitet. Es entstanden sehr attraktive, großblumige Hybriden, die sehr interessante Blütenfarben und Formen aufweisen. Obwohl die Kulturbedingungen recht gut nachvollzogen werden können und gerade die Hybriden recht pflegeleicht sind, haben sich Pleionen bisher kaum in Liebhabersammlungen und gleich gar nicht an den Wohnzimmerfenstern durchsetzen können. Es gibt kaum gute Bezugsquellen, und wenn, dann haben Spitzenhybriden z. T. astronomische Preise. Ich beziehe neue Pflanzen fast ausschließlich aus England, wo es einige sehr gute Quellen gibt.
Die Vermehrung der Pflanzen ist recht einfach. Pro Bulbe entwickeln sich meist zwei Neutriebe, welche wiederum zu blühfähigen Bulben heranwachsen. Außerdem bilden die alten Bulben an der Spitze ein bis drei Bulbillen, die meist nach zwei Jahren zu blühfähigen Pflanzen heranwachsen.
Januar
Die Pflanzen befinden sich ausnahmslos in der Ruhezeit. Ihr Standort ist ein kühler Keller (ca. 5 ° C).
Februar
Die ersten Pflanzen "erwachen" aus ihrer Ruhezeit.
Heute hab ich als erste Pflanze Pleione Tolima neu aufgesetzt. Als Substrat verwende ich in diesem Jahr Walderde aus einem Kiefernbestand, wobei ich hauptsächlich die schon etwas angerottete Schicht verwende. Das Substrat habe ich durch ein grobes Sieb gerieben und ca 8 : 1 mit Sand versetzt. Dadurch entsteht ein lockeres humoses Substrat. Im vergangenen Jahr hatte ich hauptsächlich reine Nadelerde verwendet, welche mir jedoch etwas grob erschien. Die Pflanzen konnten schlecht einwurzeln und wurden teilweise aus dem Substrat gedrückt.
Nach dem Topfen wurden die Pflanze hell und kühl gestellt. Gegossen wurde nur einmal, nun sollen sich Wurzeln bilden. Das ist jetzt die kritischste Phase bei der Pleione-Kultur, da Pleione-Wurzeln extrem empfindlich sind. Zuviel Wasser oder zu salzhaltiges Substrat lassen die Wurzelspitzen absterben. Pleione können nur eine bestimmte Anzahl Wurzeln bilden, und die Wurzeln können sich nicht wie bei anderen Orchideen verzweigen, ist die Spitze tot, stirbt die ganze Wurzel ab.
Blühzeit
Februar:Pleione Tolima (P. speciosa x formosana) ,
März:Pleione Zeus Weinstein (P. forrestii x formosana) , Pleione Etna (P. speciosa x limprichtii) , Pleione Versailles Muriel Turner (P. formosana x limprichtii) , Pleione formosana. Pleione Piton (Pleione formosana x yunnanense). Pleione Alishan (P. Versailles x formosana).
April:Pleione Shantung Ducat. , Pleione forrestii-Hybride ... Pleione Soufriere , Pleione formosana "Eugenie" , P. formosana "Chen , Pleione Shantung Ridgeway , Pleione Tongariro
Mai: Pleione formosana Little Winnie.
Juni: Die Blühsaison ist für dieses Jahr beendet. Dieabgeblühten Pleionen stehen im Garten, halbschattig unter einem großen Kirschbaum. Die Pflanzen sind groß geworden, die Blätter teilweise schon bis zu 30 cm lang.
Juli: Die Pflanzen sind fast ausgewachsen, nun bilden sich die Bulben, die im nächsten Jahr blühen werden.
August:Die Bulben sind ausgereift, also sollte es keine großen Probleme mehr geben. Gedüngt wird ab Mitte August nicht mehr, die Pflanzen müssen langsam auf die Ruhezeit vorbereitet werden.
September: Die ersten Blätter zeigen einen leichten Gelbschimmer ... erstes Zeichen der beginnenden Ruhezeit der Pleionen. Ich habe sie aufgrund der zunehmend feuchteren Witterung Mitte September in das kleine Frühbeet gestellt. Dort werden sie jetzt nur noch so oft gegossen, daß der Pflanzstoff nicht völlig austrocknet. Auch wird jetzt alle zwei Wochen mit einem Fungizid gespritzt, da eine weitere Pflanze Pilzbefall zeigt. Jedoch breitet sich dieser nicht weiter aus, da die Pflanzen jetzt trocken stehen.
Oktober: Die Pleionen werden nicht mehr gegossen.Der Tau, der jetzt täglich fällt und sich auch in dem kleinen Frühbeet bildet, sorgt für eine ganz leichte Feuchtigkeit des Substrates ... eigentlich mehr, als mir lieb ist, da dadurch wieder die Gefahr des Pilzbefalls steigt. Aber es geht alles gut. Das Frühbeet ist ständig leicht geöffnet, damit sich die Luft am Tage nicht zu stark erwärmt. Die kühlen Nächte schaden den Pflanzen nicht.
Bis Ende Oktober haben alle Pflanzen eingezogen. Die Schalen mit den in Spänen eingefütterten Bulben habe ich nun noch im Schuppen stehen, erst, wenn es zu kalt wird, werde ich sie in den Keller stellen.
Nur noch im Kindergarten sind noch einige Pflanzen grün, aber auch dort zeigt sich die Herbststimmung. Bald werden auch hier alle Blätter abgefallen sein.
Das Pleione-Jahr endet nun. Das Jahr war erfolgreich, die Pflanzen konnten kräftig zulegen und haben sich gut vermehrt. Die Pflanzen gehen nun in ihre strenge Winterruhe, und außer gelegentlichen Kontrollen gibt es nun keinen Handlungsbedarf mehr. Erst im nächsten Frühjahr werden die Pflanzen wieder zu neuem Leben erweckt.
Danke Thomas für deinen Beitrag!