Die Orchideen Österreichs im 3. Millennium

Öffentliches Monitoring durch ehrenamtliche Mitglieder eines zu gründenden Österreichischen Orchideenschutz-Netzwerks (ÖON):

Machen Sie Mit!

Orchideen repräsentieren die größte Familie innerhalb der einkeimblättrigen Pflanzen und sind, was die Anzahl der Arten anbetrifft, auch die größte Blütenpflanzenfamilie (mehr als 20,000 Arten). Sie faszinieren die Wissenschaftler aufgrund der Tatsache, daß es kaum fossile Funde gibt und die Forschung - bis vielleicht vor kurzem - unzureichend war. Die globale Verbreitung, speziell auch das Vorkommen an unzugänglichen, tropischen Standorten hat die intensivere Erforschung der Arten bislang behindert. Die Wissenschaft hat sich basierend auf ausschließlich morphologischen Kriterien bisher auf eher beschreibende Einordnung und Klassifikation beschränkt.
Der Artenschwund weltweit wird das Aufdecken vieler Geheimnisse der Orchideen begrenzen oder verhindern.

Orchideen bezaubern mehr als andere Pflanzenarten auch Laien und Nicht-Fachbotaniker, wobei im Wesentlichen ästhetische Gründe für das Interesse ausschlaggebend sind. Die Faszination wird nicht nur bei den mehr auffälligen Arten in unseren Breiten verständlich, sondern bei näherer Betrachtung auch bei eher unscheinbaren Spezies. Die zum großen Teil von Menschen bedingte Seltenheit vieler Orchideenarten erhöht den Reiz der Orchideen. Die vielfältige Begeisterung zeigt sich in einer umfangreichen Literatur. Es gibt eine ganze Reihe von hervorragend illustrierten Bestimmungsbüchern und Bildbänden über die Orchideen Mitteleuropas.

Leider haben es nur der Frauenschuh ( Cypripedium calceolus) und das Torfglanzkraut ( Liparis loeselii ) auf die EU (Natura 2000)-Liste der Arten geschafft, die vorrangig zu schützen sind und deren Bestandesentwicklung zu beobachten ist. Besonders die Österreichische Regierung hat es bislang versäumt, einen größeren Input zu leisten, was Pflanzenarten der Roten Liste anbetrifft.

Man könnte mithin das Projekt, um das es hier geht, als letzte große Chance betrachten, das Artensterben auch in Österreich zu begrenzen. Von besonderem Interesse sind hier die Arten der Wiesen und Weiden der Kulturlandschaft. Sie haben vorrangige Bedeutung. Diese Standorte sind besonders artenreich, was Orchideen und andere vom Aussterben bedrohte Arten anbetrifft. Als Sekundärbiotope unterliegen sie einer Vielzahl von Gefährdungen, die auf der einen Seite durch Änderungen oder Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung oder auf der anderen Seite durch deren gänzliche Zweckentfremdung bedingt sind.

Für die Zukunft der ca. 70 Orchideen-Arten in Österreich erhebt sich die grundliegende Frage wie der Trend der Entwicklung der Populationen verläuft. Es gab zwar wichtige und anerkennungswerte Kartierungen von Orchideen-Arten in einigen Ländern Österreichs, so wie in der Steiermark, in Kärnten und anderswo, nur repräsentieren die ein statisches Bild eines Ist-Zustandes in der Vergangenheit. Das reicht nicht aus, um den Bestand und das Überleben für die Zukunft zu sichern. Das Monitoring von Orchideen Österreichweit über die nächsten Jahre hinweg sollte Bestandesänderungen aufdecken und möglicherweise auch die Ursachen für einen Artenschwund, um dann die Grundlage für effektive Naturschutzmaßnahmen zu liefern.

Beim Orchldeen-Monitoring kann jeder mitmachen, der in der Lage ist, Orchideen von anderen Pflanzenarten zu unterscheiden.

Für die vier grundsätzlichen Habitate

  • Trocken-, Habtrocken- und Magerrasen
  • Feucht-, Naßwiesen und Quellmoore
  • Wald
  • Alpine Wiesen

benötigen wir Freiwillige, die insgesamt je 100 solcher Flächen betreuen. Es kann sich jeder den Standort aussuchen, der ihm am besten paßt, den er kennt und der möglichst nahe bei seinem Wohnort liegt. Wir können dabei aber Hilfestellung leisten.

Die Anzahl der zu betreuenden Habitate (eines oder mehr) ist jedem selber überlassen. Wer mehr Angaben liefern möchte, kann das tun.

Dies ist zu tun:

  • Orchideen-Standort(e) einmal pro Jahr aufsuchen, wenn möglich zur Blütezeit
  • Orchideen zählen - einmal pro Jahr, für erst einmal 5 Jahre
  • Daten auf Erfassungsbogen eintragen, den Sie von uns erhalten
  • Weitere wichtige Fragen des Datenblatts beantworten
  • Das Blatt an uns schicken

Der Zeitaufwand beträgt also nicht mehr als ein paar Stunden pro Jahr.

Wenn Sie mitmachen wollen, schicken Sie, bitte, eine kurze Mitteilung an (oder rufen Sie an):

    Dr. Dieter Armerding
    Donaustr. 73
    A-Höflein a.d. Donau
    E-Mail:  dieter-armerding@aon.at
    Telefon:        02243-80680

Sie erhalten dann weitere Unterlagen und im Frühjahr das Datenblatt per E-Mail oder per Post. Für weitere Informationen und Fragen stehen wir jederzeit zur Verfügung. Wenn Sie bereits wissen, wie viele Standorte Sie betreuen wollen, wo diese liegen und um welche Arten es sich handelt, wären es sicher hilfreich, wenn Sie diese Informationen bereits jetzt an uns weiterleiten. Alle Angaben werden absolut vertraulich behandelt. Keine Weitergabe von Standortsinformationen! Für das Projekt sind verantwortlich:

  • Aufbau, Organisation, Datenerfassung des ÖON (unentgeltlich!)= Dr. Dieter Armerding
  • Wissenschaftliche Projektleitung = Univ. Prof. Dr. Wolfgang Holzner,
    Zentrum für Umwelt-und Naturschutz (ZUM) - Universität für Bodenkultur;
    Gregor Mendel Straße 33, 1180 Wien;     
    E-Mail : wholzner@edv1.boku.ac.at oder wolfgang.holzner@boku.ac.at
  • Projektkoordination: eb&p Umweltbüro GmbH     
    Klagenfurt, Bahnhofstraße 39/2,         
    9020 Klagenfurt,        
    Tel: 0463-516 614-19,   
    E-Mail = ingo.mohf@ebundp.at
  • Auftraggeber Lebensministerium,
    Stubenbastei 5,1011 Wien.

Projektrahmen :Rio de Janeiro Konvention von 1992, „Countdown 2010" Projekt der IUCN (The World Conservation Unit), MOBI-e Projekt des Lebensministeriums zur Entwicklung eines Konzeptes für ein Biodiversitäts-Monitoring in Österreich.

Das Österreichische Orchideenschutz-Netzwerk (ÖON) unter Dr. Dieter Armerding baut eine Zentrale auf, wohin Orchideenfreunde jährlich ihre Beobachtungen und Daten melden können, und stellt diese Daten der ÖBM-Zentrale (Österreichisches Biodiversitätsmonitoring) für die Eingabe in eine zentrale Datenbank und Auswertungen zur Verfügung. Es betreut aber auch eine eigene Datenbank mit eigenen Auswertungen.
Für dieses Projekt benötigt das ÖON so viel freiwillige Mitarbeiter in ganz Österreich wie möglich.
Es geht darum, über die nächsten fünf Jahre den Trend von Orchideen-Populationen Österreichweit zu erfassen. Ausgangspunkt ist ein Habitat (es können auch mehrere sein) mit einer bestimmten Anzahl von Individuen von einer oder mehr Arten. Sie zählen diese dann einmal pro Jahr und schicken die Daten an das ÖON, welches sie auswertet und in der Datenbank aufnimmt. Das ganze Unternehmen ist erst einmal für fünf Jahre geplant.

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