Dendrobium cuthbertsonii - ein Dschungel-Juwel
WOLFGANG H. BANDISCH
Es gibt so viele wunderbare Orchideen-Arten in Papua New Guinea, daß es fast unmöglich ist, die interessanteste zu nennen. Für mich war eine der bemerkenswertesten Erfahrungen, Dendrobium cuthbertsonii an einem Naturstandort - im Tari Gap auf einer Seehöhe von etwa 2.300 m in der Southern Highlands Province zu erleben.
Dendrobium cuthbertsonii ist in New Guinea weit verbreitet und kommt von den nordwestlichen Teilen Irian Jayas entlang der zentralen Bergkette bis ins südöstliche Papua New Guinea - auf den Bergen der Milne Bay Province - vor. Die Art wurde auch auf Goodenough Island und den südöstlichen Bergen von New Ireland gefunden.
D. cuthbertsonii scheint Standorte zu besiedeln, an denen es häufig regnet, wobei die Regenfälle weder täglich noch durchdringend sein müssen. Auf den Berghängen, die zum Tari Gap hinaufführen, kann die Temeratur tagsüber bis auf 25°C steigen und des nachts bis auf 5 °C sinken. Entlang der Bergrücken herrscht konstant Luftbewegung und in höheren Lagen herrschen fast den ganzen Tag heftige Winde vor. Die Luftfeuchte ist reliativ niedrig.
Abgesehen von den hervorstechenden Blütenfarben ist eine der seltsamen Eigenheiten der Art die "Warzigkeit" der Blätter und Ovarien. Der Zweck dieser "Warzen" ist unklar, es wird abgenommen, daß sie bei der Wasserkondensation helfen. Es ist keine andere Orchidee bekannt, bei der die Blattepidermis ähnlich aussieht. Auch die Blüten haben eine unübliche Eigenschaft: aufgrund der extremen Flexibilität des Pedicels hängt die Blüte durch ihr Gewicht herunter und liegt auf den Blättern auf. Die Blüten sind nicht resupiniert, das heißt daß das Labellum den oberen Teil der Blüte bildet.
Entlang der Straße von der Ambua Lodge zum Tari kann man die terrestrische Lebensweise der Art gut beobachten. D. cuthbertsonni wächst in Massen entlang der Straßenböschungen, die so gut wie keine anderen Pflanzen beherbergen mit seinen Wurzeln bis zu 8 cm tief in der lehmigen Erde. Das sind wunderbare Anblicke, weil die "elektrischroten" Blüten so stark mit der öden Umgebung kontrastieren. Abseits der Straßenböschungen ckann man D. cuthbertsonii am Waldrand im Boden wachsend sehen, oft als einzige Bodenvegetation. An einigen Stellen ist es fat unmöglich, nicht auf die Pflanzen zu treten, in solchen Mengen wachsen sie dort. Dabei ist noch anzumerken, daß die Straßenböschungen oft so gut drainiert sind, daß sogar Moose Probleme haben, sich hier zu etablieren.
Die häufigste Farbe der Blüten ist ein helles Rot wobei Kombinationen von Rot und Gelb in den Se pa len und Petalen oder Lippe häufig sind. Andere, relativ häufige Farben sind Pink und Kombinationen von Pink mit Weiß in den Se pa len und Petalen. Eine Pflanze seigte eine pink Blüte mit einer gelb-orangen Lippe.
Einige 100 m die Straße weiter hinauf ändert sich die Vegetation dramatisch. Der Boden ist mit einer dicken Schicht Moos bedeckt, Nester eines heimischen Grases [ Pitpit ], krautige Pflanzen und Büsche tauchen auf. Auch hier kann man eine Vielfalt von D. cuthbertsonii zusammen mit anderen Pflanzen wachsen sehen - Orchideen und Zwergformen von Rhododendron. Die Wurzeln der D. cuthbertsonii wachsen durch die Moosschicht und können sich bis in den Mutterboden vorarbeiten. Man findet hier Pflanzen, die in vollem Sonnenlicht oder im Halbschatten von Büschen wachsen. Außerdem kann man eine breites Spektrum von Blütenfarben beobachten.
Die Art scheint hier weit verbreitet zu sein, obwohl von den etwa 400 Pflanzen, die ich genauer betrachtete nur zwei eine Samenkapsel hatten. Des öfteren kann ein D. cuthbertsonii als Solitärpflanze in einer Straßenböschung wachsen wobei die nächste Population hunderte Meter entfernt sein kann. Das wirft natürlich die Frage auf, wie die Blüten bestäubt und die Samen verbreitet werden. Tom Reeve, ein Botaniker, der in den frühen 70er-Jahren die Liagam Orchid Collection anlegte, berichtete, daß Honigsauger der Gattung Melidectes die Blüten nach Nektar absuchen. Da die Pflanzen fast immer terrestrisch wachsen - also ca 5 bis 8 cm hoch - erscheint die Samenverbreitung durch Windeinwirkung nicht sehr erfolgreich. Allerdings kann man die Art in den unmöglichsten Örtlichkeiten finden.
Fährt man die Bergstraße weiter hinauf zum Tari Gap ändert sich die Vegetation von dichtem Wald zu Hochland-Feuchtbiotopen und Mooswald. Die Gipfel der umgebenden Berge sind bis zu 3.700 m hoch und fast ständig in Wolken verborgen. Die Hochland-Feuchtbiotope sind ein unheimlicher Anblick, das Plateau am Tari Gap ist dazu noch mit einem graugrünen, steifblättrigen Gras bedeckt.
Zwischen den Grasbüscheln wachsen kleine Blumen mit weißen und blauen Blüten, dazwischen kleine Horste von S pa thoglottis pa rviflora. Außerdem wächst hier ein weißblütiges Zwerg-Rhododenron.
Die höchsten Pflanzen des Marschlandes sind Cycadeen, einige davon Trägerbäume für Dendrobium sulphureum und gelegentlich auch D. cuthbertsonii. Der Untergrund ist durchdringend naß und Gummistiefel sind hier sehr anzuraten.
Die Berge ringsum sind mit Mooswäldern bedeckt. Im Marschland sind kleine Flecken von Mooswald zu finden. Wenn man eines dieser Wäldchen betritt, ändert sich die Landschaft dramatisch. Draußen, im Marschland, erscheint das Klima so unwirtlich, daß nur die zähesten Pflanzen überleben können. Im Inneren der Mooswäldhen ist der reiche Pflanzenbesuchs faszinierend. Südbuchen [Nothofagus], Stamm und Äste dick mit Moos überwuchert, große Baumfarne und Riesen pa ndanus lassen einen meinen, in einer urzeitlichen Landschaft gelandet zu sein.
Der Waldboden ist mit gefallenen Stämmen und Ästen bedeckt, dicke Moospolster, Lianen und Büsche lassen den Wald fast undurchdringlich erscheinen. Alles ist tropfnaß; die wassergetränkten Moospolster werden oft so schwer, daß dünnere Äste unter deren Gewicht abbrechen. Die feuerwehrroten Blüten von D. cuthbertsonii bilden hier einen wunderbaren Kontrast zu den graugrünen Farben der Moospolster. Sie wirken wie kleine Edelsteine, die den Blick fangen - vom Waldboden bis hoch hinauf in die Kronen der Bäume.
Sie sind hier überall, Farbenblitze im Wald. Zumeist in kleinen Büscheln mit bis zu 20 Blüten. Die Pflanzen sind hier nicht an den Bäumen angewachsen, sie schieben ihre Wurzeln in die äußeren Schichten der Moospolster. Entland der Ränder der Wäldchen sind sie zahlreicher, weil hier die Sonne gelegentlich das dichte Blätterdach durchdringen kann. Weiter als 30 m von Waldrand entfernt kann man sie nur selten beobachten.
Eine interessante Beobachtung konnte an drei genauer betrachteten Moospolstern gemacht werden. Die Farben differierten hier auf bemerkenswerte Weise. In einem Moospolster fanden wir vor allem rote und rot-gelbe Formen mit wehr wenigen der pink Varietät. In einem anderen Polster schienen Pink und Rot zusamen mit den rot-gelben Formen gleichmäßig verteilt, während im dritten Moospolster unübliche Farben wie Weiß, Gelb und Hellrosa zu sehen waren - sowohl einfärbig als auch in 2-farbigen Kombinationen.
Sowohl die Blütengröße als auch die Blattgröße ist starker Variation unterworfen. Wir fanden dafür keinerlei Erklärung, da Pflanzen jeder Größe oft dicht nebeneinander wachsen.
Kultivation von D. cuthbertsonii in Kimazonen, die sich von seinen natürlich Standorten wesentlich unterscheiden, scheint extrem schwierig zu sein. Sowohl die Montage auf Farnwurzelbretter als auch Topfkultur sind erfolgreich, obwohl des öfteren Pflanzen ohne besonderen Anlaß versterben. Eine der Erklärungen war dei, daß sich manche Pflanzen "zu Tode blühen". Allerdings dürfte diese Vermutung nicht zutreffen, da die Pflanzen an den Naturstandorten das ganze Jahr sehr reich blühen. Von kultivierten Pflanzen wurde berichter, daß die Blüten bis zu 8 Monaten an den Pflanzen verblieben.
Nach meinen Beobachtungen an den Naturstandorten scheint es am besten zu sein, die Wurzeln konstant feucht zu halten, während Blattwerk und Blüten trocken bleiben. Die trifft auf alle beobachteten Pflanzen - terrestrische und epiphytische - zu.
Elanbee Orchids
http://members.optusnet.com.au/bdobson/
http://members.optusnet.com.au/bdobson/Dendrobium%20cuthbertsonii.html
Mit Hilfe von Google gefunden (anläßlich der vielen Texte zu D. cuthbertsonii in den letzten Monaten :-) von G. Pratter [Wien]
übersetzt von MS